LINN LÜHN
MATTHIAS LAHME
June 23 - August 19, 2006

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Matthias Lahme
Untitled, 2006
Acrylic, pigmented ink, watercolour on paper
139,5 x 104,5 cm/54,9 x 41,1 inches

Matthias Lahme
Untitled, 2006
Acrylic, pigmented ink on paper
197 x 156 cm / 77.6 x 61.4 inches

Matthias Lahme
Untitled, 2006
Acrylic, pigmented ink on paper
70 x 50 cm / 27.6 x 19.7 inches

Matthias Lahme
Untitled, 2006
Acrylic, pigmented ink on paper
156,5 x 124 cm / 61.6 x 48.8 inches

Matthias Lahme
Untitled, 2006
Acrylic, pigmented ink on paper
175 x 123 cm / 69 x 48,4 inches

versuch die wahrheit über bilder zu sagen die nicht nur hier geschehen

matthias lahme ist einer von dieser schier endlosen zahl akademisch ausgebildeter maler, die ihr dasein mit dem überanspruch fristen, künstler sein zu sollen.

er ist eines von diesen unsäglich falsch verwöhnten, verantwortung entwöhnten, selbstmitleidigen, mutlosen wohlstandskindern einer Noch-BRD, die nicht zu knapp mit persönlichkeitsdefiziten ausgestattet sind-die allzu menschlich vor jeder berührung mit der wahrheit mimosenhaft zurückzucken, dies wohlgemerkt nicht nur als künstler.

also matthias lahme ist ein mensch wie wir alle.

matthias lahme ist da zögerlich, egozentrisch, launisch, egoistisch-dreist und resignativ, wo die klassische kunst heroisch, altruistisch, brilliant, stolz, mächtig und mutig war.
aber wohl gerade darum: matthias lahme ist ein guter mensch; liebend, liebenswert und unsagbar wertvoll.
weil er immerzu dennoch weitermacht immer wieder neu ansetzt, um das absolut nicht mehr selbstverständliche, nämlich etwas zu tun.
weil er sich damit immer wieder selber aus dem sumpf der abschlaffung, der sinnlosen daseinsenttäuschung und der falschen lebenserwartungen herauszieht.
man kann an ihm und seinen bildern sehen, wie schwer es ist, alles allein und selber tun zu müssen, ohne die traditionell gesellschaftlich-formelle anbindung.
er zeigt, dass dies dennoch wohl möglich ist und welche opfer dies wider seines naturells verlangt.
der maler wird hier opfer seines eigenen geltungsdrangs, seines existenzwillens und wunsches, und das ist hier das schöne daran. der anrührende gesang einer trauernden seele.
seine bilder sind der existentielle beweis für den fortbestand des guten lebens.

so kommt es, dass die bilder von matthias lahme, also das resultat seines expliziten machen und tuns, einem genaueren blick, einem ernsthaft diskursiven interpretationsansinnen, nicht mehr standhält- standhalten kann und auch nicht will?
es ist hier dieses typisch zögerliche, anfangs deprimiert-resignative, verhalten des vereinzelten charakters, das seine spuren hinterlässt, das dann in späterer kontrolle absichernder sinnbeschneidung und nachträglich selbstsichernd interpretierender sinnandichtung sein werk erzeugt.
also: jegliche bedeutung dieser bilder ist im klassischen sinne anmassung. Auch, weil sie das eigentliche problem und seinen zusammenhang mit klischees überdeckt.

man sollte vielmehr nun beginnen, dieses in diesen bildern endlich einmal beinahe unverstellt katastrophal wenige an darstellung nicht als versagen, sondern als glaubhaften abdruck realer zustände (an)zuerkennen.

alexander jasch & christian jendreiko