Das Werk des Glasgower Künstlers Charlie Hammond ist verschmitz und humorvoll ohne dabei auf scharfe Beobachtungsgabe zu verzichten. Erst auf den zweiten Blick lösen sich in seinen Bilder, Skulpturen und Zeichnungen Gesichter oder anthropomorphe Gestalten aus dem Umfeld, um ihr Eigenleben zu führen. Dunkle, scheinbar rätselhafte Linien und Flächen werden durch die einfache Beigabe von Augen oder Mund zu Portraits, durch Andeutungen im Titel - Filmmaker (macaroni style) oder Untitled (bread man) – entstehen Persönlichkeiten.
Auch in Michael Bauers Arbeiten gerinnen Formen zu wesenhaften Gebilden. Jennifer Higgie, Mitherausgeberin des Frieze Magazines, schreibt dazu: „Hier haben wir es mit Bildern zu tun, die sich teilweise aus visuellen Gedankensprüngen, großgestischen Körperscherben und stachligen, künstlich gefertigten Tieren formen – sie wirken fragmentiert, sexuell, fiebrig und lustig; Welten in Welten, die sich dem Zugriff entziehen ... Das Verhältnis zum Zeitlichen, das sich in Bauers Werk findet, ist schwer zu fassen. Wie in einer verdrehten Geschichte des 20. Jahrhunderts vermischen sich Symbole und Psychoanalytisches mit dem Gerümpel des Alltags: Mathematik, Augäpfel, Kreise und Zigaretten, angedeutete Harlekine, sorgfältig ausgeführte Phalli und pralle Körperöffnungen, psychedelische Muster und das Gemurmel nicht näher bestimmbarer Musik ... Worte haben hier wenig Erhellendes beizutragen: die Bildtitel funktionieren eher wie winzige, verrätselte Gedichte denn als Stützen der Erkenntnis ... Ein Gemälde ist nie und war nie eine Erklärung – und es wird immer ebenso viel verbergen wie es enthüllt. Bauers Kunst bildet einen Raum, in dem das Imaginäre zu etwas Physischem wird. Ein Raum, den man auf keiner Ebene als buchstäbliche Widerspiegelung der Welt missverstehen kann – so wirkungsmächtig das Bild auch sein mag, seine Beschreibungen sind illusorisch, sein Verhältnis zur Geschichte erschöpft sich bestenfalls in Andeutungen.“
aus: Michael Bauer, Borwasser, Jennifer Higgie, 2008